Rohbodenflächen: ein Hotspot für Biodiversität

Auf dem Gelände des Golfclub Würzburg liegt zwischen den Bahnen neun und 14, versteckt hinter Büschen und Bäumen, eine ein Hektar große Rohbodenfläche. Der Boden zeigt kleine Kräuter, winzige Farne und violetten Salbei. Die Fläche wurde vom ehemaligen Head-Greenkeeper Marius Cazan angelegt und wird nun von seiner Nachfolgerin Jacqueline Siegel gepflegt.

Der Club besitzt die Gold-Zertifizierung im DGV-Umweltprogramm Golf&Natur, eine Auszeichnung im Rahmen der Initiative Blühpakt Bayern und kooperiert mit dem regionalen Vogelschutzbund. Umweltschutz spielt in dieser Anlage eine herausragende Rolle.

Invasive Arten entfernen

Rohbodenflächen bieten spezialisierten Pflanzen und Tieren einen Rückzugsort, die auf geringe Konkurrenz, hohe Lichtverfügbarkeit und nährstoffarme Substrate angewiesen sind. Invasive Arten bedrohen diese Lebensräume jedoch immer wieder.

Headgreenkeeperin Jacqueline Siegel sorgt mit ihrem Team im GC Würzburg dafür, dass die wertvolle Fläche nicht verbuscht. fotocredit: Petra Himmel

Siegel berichtet: „Die Robinien wurden übermächtig und gehörten hier nicht hin.“ Ein Teilbereich wurde im Frühjahr komplett neu gemulcht und wird sich durch Samen benachbarter Pflanzen sowie durch eine Herbstaussaat mit geeignetem regionalen Saatgut regenerieren.

Entwicklung und Pflege

Das gezielte Anlegen von Rohbodenflächen stellt ein wirkungsvolles Naturschutzinstrument dar. Geeignete Maßnahmen umfassen den Oberbodenabtrag, das Einbringen von Sandlinsen und die Bodenbearbeitung. Regelmäßiges Entfernen aufkommender Vegetation bleibt dabei unverzichtbar.

„Kleine Kiefern müssen wir sofort herausziehen“, sagt Siegel fachkundig. Die übrige Fläche zeigt eine bemerkenswerte Pflanzenvielfalt. Diese Zonen fungieren als Biodiversitäts-Hotspots – sie sind unverzichtbar für viele spezialisierte und bedrohte Arten. Libellen besiedeln das Areal, und Eidechsen finden in Totholzhaufen Unterschlupf.

Wertschätzung von Spielern und Gästen

Bemerkenswert: Auch die Golfer schätzen diese scheinbar unscheinbaren Flächen. Ein Golfer an der Clubrezeption bezeichnete die Rohbodenfläche als „einen meiner Lieblingsbereiche“ – insbesondere „weil es dort so wunderbar nach Salbei duftet.“

Das Beispiel des GC Würzburg zeigt eindrucksvoll: Rohbodenflächen mögen auf den ersten Blick unspektakulär wirken, doch sie sind wahre Schatzkammern der Biodiversität. Wo andere nur kahlen Boden sehen, entsteht hier ein lebendiges Ökosystem – direkt neben dem Fairway.

Text & Fotos: Petra Himmel | Quelle: Bayerischer Golfverband

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