GC Dachau setzt Maßstäbe in Sachen Artenvielfalt

Das Prestige eines Golfclubs bemisst sich nicht an seiner Größe – das erfahren Besucher des GC Dachau schnell. Der 9-Loch-Platz erstreckt sich auf gerade einmal 25 Hektar über die flache Auenlandschaft entlang der Amper nördlich von Dachau. Die unbebaute Umgebung verdankt sich der Ausweisung als Überschwemmungsgebiet. Die Fairways schlängeln sich durch üppige Hecken und Mischwälder. Laut Präsident Christian Reichl sind die Mitglieder an die enge Platzgestaltung gewöhnt – Bäume dienen dabei als wichtige strategische Elemente.

Die natürliche Umgebung ist längst zu einem zentralen Markenzeichen dieses traditionsreichen Clubs im Großraum München geworden. Gegründet 1965, wurden die ersten Bahnen nach dem Zweiten Weltkrieg von amerikanischen Golfbegeisterten angelegt.

GolfLandscapes – Forschung für die Artenvielfalt

Der GC Dachau nimmt am internationalen Forschungsprojekt GolfLandscapes teil, das in diesem Jahr abgeschlossen wird. Die Initiative untersucht, wie Golfplätze zur Biodiversität und ökologischen Funktionalität in der Landschaft beitragen. Dabei wird der Artenreichtum und die Lebensraumvielfalt auf Golfplätzen mit dem der umliegenden Gebiete verglichen. Ziel ist es, Methoden zu entwickeln, um den Naturschutz besser in die Platzpflege zu integrieren. Für den GC Dachau wurde ein eigenes Artenmonitoring erstellt.

Albrecht Streller und Thomas Kohl begutachten eine Fläche, die nun für mehr Artenvielfalt bei der Bepflanzung aufgewertet wurde - fotocredit Petra Himmel

GolfBiodivers – Aufwertung auf kleinem Raum

Das Projekt GolfBiodivers untersucht, wie die Biodiversität auf deutschen Golfplätzen systematisch erfasst und gefördert werden kann. Es vergleicht die Artenvielfalt auf Golfplätzen mit der ihrer Umgebung, entwickelt praxisnahe ökologische Verbesserungsmaßnahmen und validiert deren Wirksamkeit wissenschaftlich. Der GC Dachau nimmt an Phase II teil und wertet dabei einen Hektar Gelände ökologisch auf. Head-Greenkeeper Thomas Kohl erklärt: „Wir sind natürlich sehr kleinflächig und haben keine weitläufigen Areale, aber wir haben mehrere Zonen identifiziert, in denen wir nun aufgewertete Roughflächen und Heckensäume angelegt haben.“

Blühpakt Bayern

Diese Aktivitäten stehen im Einklang mit dem Blühpakt Bayern, einer Initiative des bayerischen Umweltministeriums zur Förderung der Insektenvielfalt und zum Schutz artenreicher Lebensräume. Der GC Dachau erfüllt bereits zentrale Anforderungen, darunter minimaler Pestizideinsatz und angepasste Mulchpraktiken.

Kohl betont, dass sich die Greenkeeping-Arbeit grundlegend gewandelt hat. Der Platz wird weniger gedüngt, Grasschnitt wird beim Mähen der Roughs nicht mehr liegen gelassen, und der Wasserverbrauch wurde deutlich reduziert. Mit einem jährlichen Verbrauch von etwa 10.000 bis 14.000 Kubikmetern liegt die Anlage deutlich unter den Empfehlungen des Deutschen Golf Verbands.

Die Obstbäume werden jährlich fachgerecht geschnitten, das Obst in der Gastronomie verarbeitet
Die Obstbäume werden jährlich fachgerecht geschnitten, das Obst in der Gastronomie verarbeitet - fotocredit: Petra Himmel

Obstbäume und Schafbeweidung

Die nachhaltige Ausrichtung des Clubs motivierte das Stamm-Mitglied Albrecht Streller, Naturschutzprojekte zu koordinieren. Er sagt: „Das Thema hat mich schon immer interessiert, und hier gibt es viele Möglichkeiten.“

Die Obstbaumpflege und Fruchtverarbeitung sind ein Paradebeispiel für den Ansatz des Clubs. Da Kohl eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner absolviert hat, schneidet er die Bäume fachgerecht. Die jährlichen Ernten werden vom Clubrestaurant verarbeitet, das die Früchte für die Gäste einmacht und anbietet.

Kohls jüngstes Projekt: Eine kleine Schafherde beweidet Teile der neun Hektar großen Ausgleichsflächen. Ein örtlicher Schäfer betreut die Tiere. Kohl beobachtet: „Das ist insgesamt durchweg positiv.“ Auch Streller verweist auf begeisterte Reaktionen der Mitglieder. Die Beweidung steigert die Biodiversität erheblich und zeigt eindrucksvoll, wie eine bescheidene Anlage eine beachtliche Wirkung auf den Artenschutz erzielen kann.

Text & Fotos: Petra Himmel | Quelle: Bayerischer Golfverband
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