55 Hektar für ein besseres Klima

Klimaschutzbeauftragte Anna Köppel (Fünfte von links) übergibt den Klimaschutzpreis der Stadt Hall an Golfclub-Präsident Ingo Bücher. Mit dabei sind (von links) Steffen Hofmann (Klimaschutzbeirat), Rica Hirschle (Stabstelle Klimaschutz), Sarah Cieslik (Naturschutzbeauftragte Golfclub Hall), Jürgen Friz (Headgreenkeeper), Sven Hauenstein (Klimaschutzbeirat), Michael Rieg (Umweltbeauftragter Golfclub Hall) und Christiane Steinhoff (Geschäftsstellenleitung Golfclub Hall). Foto: Ufuk Arslan

Die Sonne brennt vom Himmel, es ist heiß. Die Luft steht an diesem Mittwochnachmittag. Da mag sich der einer oder die andere schon Gedanken über das Klima machen. So auch bei der Verleihung des Klimaschutzpreises der Stadt Schwäbisch Hall an den Haller Golfclub. Anders als man es vielleicht erwarten mag, besteht das 85 Hektar große Areal nicht nur aus einer 18-Lochanlage mit Clubhaus, sondern beherbergt auf rund 55 Hektar eine Vielzahl an Streuobstbäumen, Hecken, kleiner Biotope und auch Bienenhotels. Und genau diese Biodiversität, das „ganzheitliche Konzept“ hat die Jury des Preises letztlich überzeugt.

Sven Hauenstein, Haller Architekt und Jurymitglied, erklärt, dass die Entscheidung erst nachanfänglicher Skepsis und ausgiebiger Diskussion getroffen wurde. Gerade der Wasserverbrauch und Einsatz von Pestiziden hat die Jury beschäftigt. „Allerdings schaffen Sie es mit Ihren Maßnahmen, die negativen Effekte überzukompensieren“, sagt er an Club-Präsident Ingo Bücher und sein Team gewandt, bevor die städtische Klimaschutzbeauftragte Anna Köppel den Preis an Bücher überreicht. „Ihr Golfplatz ist nicht nur ein Ort des Sports, sondern auch ein wertvoller Lebensraum und ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Köppel. „Wir wollten Lebensräume schaffen“, erklärt Bücher. Beispielsweise wurden auf rund10.000 Quadratmeter Blühwiesen auf dem Gelände angelegt. Bereits 2020 hat man imHaller Golfclub damit begonnen, sich bei „Lebensraum Golfplatz“ zu engagieren.Aus dem Pilotprojekt ist mittlerweile eine dauerhafte Einrichtung geworden.

Wasser aus Speicherseen

Das war auch der Grund, warum Bücher die Entscheidung getroffen hat, sich für den Preis zubewerben. „Wir wollen für den Golfplatz sensibilisieren.“ Nach und nach sind und werden die Bereiche, die nicht zur Spielfläche gehören, durch Renaturierung wiederbelebt. Dazu zählenBlühwiesen, Trockenmauern oder Bienenhotels, wie der Umweltbeauftragte des Clubs, Michael Rieg, aufzählt. Auch Totholzstapel sind in dem Konzept enthalten. Strom erzeugt der Club über eine eigene Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher. Perspektivisch solle es auch Ladestationen für E-Mobilität und vielleicht auch elektrisch betriebene, autonome Mähergeben. „Denken Sie da aber bitte an die Igel“, wirft Hauenstein ein. Und auch das Wasser zur Bewässerung der Spielflächen kommt nicht aus der Leitung, sondern aus vier Speicherseen,die mit Überschusswasser gespeist werden. Der größte fasst 45 Millionen Liter Wasser, insgesamt stehen rund 70.000 Kubik an Bevorratung zur Verfügung, erläutert Bücher.

Drei Mittel im Einsatz

Etwa 30 Hektar werden im Golfclub bespielt. Damit das Grün auch grün bleibt, braucht es nicht nur Wasser und eine Mähmaschine, sondern es kommen auch Düngemittel und Fungizide zum Einsatz. „Der Düngemitteleintrag bei uns ist sehr viel geringer als in derLandwirtschaft“, macht Headgreenkeeper Jürgen Friz deutlich. Drei Mittel sind es, die einmaljährlich angewendet werden, und zwar nur jene, die auch in der Nahrungsmittelindustrie zufinden sind, wird Friz konkreter. „Und ja, das Golfgrün ist tot.“

Anders sieht es da vor der Terrasse des Clubhauses aus. Der Sonnenhut leuchtet gelb-orange, es summt und schwirrt vor Insekten. „Wir haben auch Aktionen wie eine Bienenwoche, um beispielsweise Spenden für neue Insektenhotels zu sammeln“,erläutert Sarah Cieslik, Naturschutzbeauftrage des Clubs, bei einem kleinen Rundgang über die Anlage. Diese ist nicht nur Clubmitgliedern vorbehalten, jeder Interessierte könne vorbeikommen, im Clubhaus essen oder trinken und die Natur genießen, sagt sie. Es geht vorbei an naturbelassenen Hecken, auf der anderen Seite des Weges liegen unter einem Baum Äpfel am Boden verstreut, die als Nahrungsquelle für Insekten, Igel oder auch Siebenschläfern dienen. Weiter hinten sind als Zaungäste einige Ziegen zu sehen. Der Weg führt zwischen zwei Spielflächen hindurch, vorbei an einem der fünf Bienenhotels auf dem Gelände und weiter zu einem der Biotope, bei dem auch eine Greifvogelstange steht. „Nur der Storch hat sich noch nicht bei uns niedergelassen“, sagt Rieg. Vor dieser Naturkulisseerfolgt dann die symbolische Scheckübergabe über 500 Euro von Anna Köppel an Ingo Bücher, bevor es für die Gruppe zurück ins Clubhaus geht.

Zum Nachahmen animieren

Der Klimaschutzpreis der Stadt Schwäbisch Hall wird in den Kategorien „Gruppen“ und „Unternehmen“ vergeben. Im Bereich Gruppen gab es in diesem Jahr „deutlich weniger“ Bewerbungen als 2024, damals waren es um die 20, sagt Klimaschutzbeauftragte Anna Köppel. Eine genaue Zahl kann sie nicht nennen. 29 Mitglieder hat der Klimaschutzbeirat, von denen sieben die Bewerbung des Golfclubs bewertet und letztendlich entschiedenhaben, den Preis an diesen zu vergeben. Der Preis wurde 2021 vom Klimaschutzbeirat ins Leben gerufen und wird 2025 zum vierten Mal vergeben. „Andere sollen dadurch zumNachahmen animiert werden“, sagt Klimaschutzbeauftragte Anna Köppel.

Die „Initiative Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt“ startete im Januar 2020. Gemeinsam besiegelten der Deutsche Golf Verband (DGV), der Baden-Württembergische Golfverband (BWGV) und das Umweltministerium Baden-Württemberg zusammen mitbaden-württembergischen Golfanlagen die zukunftsweisende Kooperation. Das Ziel: der Erhalt der biologischen Vielfalt. Der Golfclub in Schwäbisch Hall ist Teil des Projekts und war bereits als Vorreiter dabei, erklärt Club-Präsident Ingo Bücher. Außerdem setzt der Club die Leitlinien des DGV-Nachhaltigkeitskonzepts „Golf und Natur“ um.

Text: © Kerstin Vlcek / Haller Tagblatt
Foto: © Ufuk Arslan
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